Antje Schrupp im Netz

In: Lesbenring-INFO, März 2005

und: Die Vogelspinne. Das interaktive Frauenkulturblatt im Hunsrück und in Koblenz (April 2005)

Die Autorin geht von der Hypothese aus, dass das Patriarchat zerfallen sei und an seine Stelle die »Herrschaft der Brüder« getreten sein. Unordnung und Verantwortungslosigkeit würden damit die moderne Gesellschaft prägen. Demokratie sei zu einem Spektakel verkommen und Frauen hätten zu Recht wenig Lust auf dieser Bühne mitzuspielen. Echte Beziehungen seien die Domäne der Frauen, von der aus sie die Welt verändern könnten.

Schrupp bietet der Leserin einen streitbaren Feminismusbegriff: »Es müsste deutlich werden, dass Feminismus nicht bedeutet, sich zu bestimmten Positionen bekennen zu müssen oder gar sich selbst als Opfer ungerechter Verhältnisse verstehen zu sollen, sondern dass Feminismus hilft, die Welt und die eigene Rolle darin besser u verstehen und in Freiheit den Weg des persönlichen Begehrens zu finden.«

Etwas nebulös bleibt im Text mitunter, wer dieses »WIR« denn sei. Wir Feministinnen ????? Wir die Frauenbewegung?????

Das Politikverständnis der Autorin unterscheidet sich wohltuend von so oft Gehörtem: Das was Frauen miteinander tun, worüber sie diskutieren, was sie organisieren, das ist politisch. Und wenn es ihnen obendrein Spaß macht statt nur Pflichterfüllung zu sein, habe es Chancen auf Erfolg.

Wenn Frau dann nach dem Lesen nicht vergisst, dass Beziehungsarbeit schon immer ein typisch weibliches Feld war, die Welt aber bis heute noch nicht wesentlich aus den Angeln gehoben wurde und dass auch Frauen durchaus das Recht haben sollten, sich bei dem obendrein noch hochdotierten Spektakel eine Stimme zu verschaffen, dann könnte der Text eine anregende Diskussionsgrundlage bilden.

Elke Heinicke