Antje Schrupp im Netz

Buchbesprechung

Antje Schrupp: Zukunft der Frauenbewegung; Christel-Göttert-Verlag Darmstadt; Oktober 2004; 5 Euro

Aktuelle Entwicklungen in der Frauenpolitik, Kürzungen im Bereich von Einrichtungen, die Frauen zu Gute kommen und sie in ihren Entscheidungen begleiten und unterstützen, lassen viele Frauen danach fragen, ob es in der Frauenpolitik eher rückwärts geht als dass die Frauenbewegung etwas erreicht hat. Dem gegenüber stehen (vor allem junge) Frauen, die behaupten, heute in der Gesellschaft alle Möglichkeiten zu haben und nicht mehr benachteiligt zu sein.

In ihrem kleinen Buch zur Zukunft der Frauenbewegung betont Antje Schrupp, dass die Frauenbewegung keine Interessengemeinschaft ist, die bestimmte Ziele hat. Vielmehr war (und ist) die Frauenbewegung eine Bewegung von starken Frauen, die ihre Möglichkeiten und ihre Freiheit entdeckt haben und damit die Welt verändert haben. In der neueren feministischen Diskussion wird hierbei vom »weiblichen Begehren« gesprochen. Wie unser eigenes Handeln in der Welt ist oder sein kann, bestimmen wir Frauen selbst – je nachdem, was uns wichtig ist, was wir »begehren«. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, ohne Rücksicht auf die Umgebung das zu tun, was ich will. Wer etwas begehrt, ist bereit, dafür zu verhandeln, Kontakte zu knüpfen – kurz: alles Mögliche zu tun, damit das Gewünschte und Begehrte Wirklichkeit wird.

Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen kann nun gefragt werden, ob das weibliche Begehren wirklich allein das Ausschlaggebende ist für gelingende oder nicht gelingende Projekte. Antje Schrupp betont, dass hier anscheinend nicht genügend Frauen die Projekte und Einrichtungen »begehren« bzw. einfordern, denn sonst könnten sie nicht ohne weiteres gestrichen oder gekürzt werden.

Dass Frauen alles können, ist heute unumstritten, aber was wollen sie?

Wir leben immer noch innerhalb männlich geprägter Strukturen. Damit sind sie oft uninteressant für Frauen, die in anderen Beziehungsstrukturen leben und arbeiten wollen. Institutionen, die sich als neutral definieren, bleiben oft männlich geprägt, weil nicht differenziert wird. In diesen Institutionen gibt es trotz weiblicher Beteiligung keine kulturelle Veränderung. Dies heißt aber nicht, dass damit die Frauenbewegung ohne Zukunft ist, sondern hat allein Bedeutung für die Zukunft der jeweiligen Organisation oder Institution.

Antje Schrupp wirft im Weiteren einen Blick auf die geänderte Rolle von Männern, nachdem die hierarchisch-patriachalen Verhaltensmuster verändert sind. In dieser veränderten gesellschaftlichen Situationen müssen neue Regeln der Partizipation ausgehandelt werden. Das Gespräch zwischen Männern und Frauen kann dann auch zum Konflikt werden. Konflikte gehören aber dazu, wenn etwas ausgehandelt oder verändert wird.

Der Feminismus ist noch nicht ausgestorben. Es gibt ihn noch und er lebt davon, dass Frauen ihre Freiheit spüren und nutzen, um ihr Begehren ernst zu nehmen und Wirklichkeit werden zu lassen. Das geschieht vor allem in vielen kleinen Beziehungen ohne große Presse und oft außerhalb der offiziellen Strukturen.

Antje Schrupp bezieht sich in ihrem Buch vor allem auf die Erkenntnisse und Diskussionen der Mailänderinnen und schließt mit einem Zitat von Luisa Muraro: »Die Liebe zur Freiheit ist ansteckend.«

Elke Markmann